Niagarafälle: Ein Drache in der Wasserhölle.

28. April 2017

Niagarafälle USA
Donnerndes Wasser: Die Niagarafälle tosen und brüllen
Meine Güte, ist die Interstate aber laut – und das mitten im Nationalpark. Denke ich. Doch je weiter ich mich von der Straße entferne, desto lauter wird das Donnern und Tosen. Eine riesige, weiße Wolke liegt über dem Ende des Flusses, als wäre dort gerade ein Hochhaus gesprengt worden. Wie flüssiges Glas kippen die Wassermassen in den Abgrund. Ich bin an den Niagarafällen und werde von schillernden Tropfen, fauchender Gischt und einem Feuerwerk aus Farbe beinahe verschluckt.
Mit dem Flugzeug aus Washington D.C. kommend, beziehe ich mein neues Heim in Buffalo. Eine Fahrt mit dem Bus von Buffalo zu den Niagarafällen dauert nur etwa eine Stunde, kostet gerade einmal zwei Dollar und macht das Ganze deutlich preiswerter und interessanter als eine Unterkunft direkt am Nationalpark. Noch hängen dicke Wolken über dem Wasser. Auf der anderen Seite der Schlucht zeichnen sich bereits kanadische Hochhäuser von Hotelketten ab. Natürlich verschandelt man sich gern ein Naturwunder, wenn man im Gegenzug dafür ordentlich Geld machen kann. Ich zeige der Menschheit einen Vogel und gehe weiter auf Erkundungstour.

Vogelkolonie am Gorge Trail

Vogelkolonie Niagarafälle
Abertausende von Vögeln

Apropos Vogel. Mit einem Fahrstuhl kann man hinab zum Gorge Trail fahren und ein Stück unten an den Fällen längs wandern. Als ich aus dem Schacht trete, umkreisen mich hunderte oder tausende von Möwen, die hier ihren Nistplatz haben. Es riecht etwas streng, ist aber sehr beeindruckend. So nah war ich einer so großen Vogelkolonie noch nie. Endlich klart es auf. Die Niagarafälle bestehen aus drei verschiedenen Fällen – den American Falls und Bridal Veil Falls sowie den Horseshoe Falls, die fast einen Dreiviertel-Kreis bilden. Von oben kommt man den Wassermassen schon recht nah – doch wirklich erleben und begreifen kann man sie erst mit einer Bootstour entlang des Niagara Rivers.


Geysire und Berge im Yellowstone National Park

Mit "Maids of the Mist" in den Wasser-Vulkan

Blick von der Fähre „Maids of the Mist“ auf die Horseshoe Falls
Mit „Maids of the Mist“ zu den Horseshoe Falls

Mit der „Maids of the Mist“-Fähre geht es mitten hinein in das tief eingeschnittene Tal. Hinunter zum tosenden Drachen. Mit einem blauen Regencape ausgerüstet, drifte ich mit dem Boot auf die American Falls zu. Eine erste Gischtwolke schlägt mir kaltes Wasser ins Gesicht. Von hier unten wirkt es, als würden die Wasserfälle direkt aus dem Himmel stützen. Eine weiße Explosion aus Millionen von Tropfen. Der Niagara State Park ist der älteste Nationalpark der USA, 1885 gegründet. Rund 3000 Tonnen Wasser stürzen hier pro Sekunde in den Abgrund – fast drei Millionen Liter.

 

Langsam nähert sich die Fähre den Horseshoe Falls. Man könnte schreien (und mir ist danach, weil einfach alles so unfassbar ist hier unten), doch man würde nichts hören. Unter Donnern, Rauschen und prasselndem Regen entern wir den Kessel der Wasserfälle. Das türkise Wasser am Boden schäumt und brodelt wie blaue Lava. Alles quirlt durcheinander, tost und sprüht. Ich bin mir kurz nicht mehr sicher, ob ich mich noch auf der Erde befinde. Ich möchte ausflippen und tanzen und diesen Moment für immer festhalten.

Sonnenuntergang an den Niagarafällen

Sonnenuntergang an den Niagarafällen
Alle Farben der Welt in einem Moment
Nach Ende der Fahrt sitze ich noch eine ganze Weile auf den Felsen am Fuß der Fälle und wische etwas vergeblich über meine nasse Kameralinse. Wie ein Gewitter ist das Erlebnis über mich hinweggezogen. Ruhig zieht der grünliche Fluss nur wenige Meter entfernt davon, als wäre nichts gewesen. Nach einem leckeren Burger im Hard Rock Café packe ich mein Stativ aus und laufe noch einmal zum oberen Rand der Fälle. Die Sonne sinkt und wirft ein Farbspektakel auf die Himmelsleinwand, das einfach atemberaubend ist.
Das Wasser leuchtet im Abendlicht, die Wolken scheinen zu brennen, der Dampf färbt sich orange. Von Gelb zu Rot und Violet bis Blau färbt sich die Szenerie innerhalb einer Stunde. Dann gehen die Scheinwerfer an und tauchen die Wasserfälle in buntes Licht. Als in den Hochhäusern die ersten Lichter angehen, packe ich zusammen und mache mich auf den Weg zur Bushaltestelle.
Nachdem der Bus, in den ich in Buffalo umsteigen muss, über eine Dreiviertelstunde lang nicht kommt und es natürlich weder Fahrpläne noch WLAN gibt, laufe ich im Dunkeln etwas desorientiert durch eine typisch amerikanische Vorstadtsiedlung auf der Suche nach Hilfe. Zum Glück treffe ich zwei rauchende Damen vor ihrem Haus, die für mich auf dem Handy den Busfahrplan nachsehen und mir sogar ein Taxi gerufen hätten. Doch der Bus soll tatsächlich in zehn Minuten doch noch kommen. Ich bedanke mich, gehe zurück zur menschenleeren Straße. Da kommt die alte Klapperkiste tatsächlich und endlich geht es gegen 23 Uhr heim.

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