Bücherliebe, Lady Liberty & Grosse Gefühle.

7. April 2017

Die Public Library von New York, Eingangshalle
Hogwarts-Feeling in der Bibliothek
Warmes Licht durchströmt die Eingangshalle. Mein Blick geht hinauf. Und hinauf. Und hinauf. Zugleich ziehen sich endlose Bögen aus Marmor in die Ferne, breite Treppenstufen ergießen sich in das Foyer. Die New York Public Library – fast vermutet man Dumbledore um die nächste Ecke herum. 1895 gegründet, ist dieser Bau, das Stephen A. Schwarzman Building in der 5th Avenue, Manhattan, nur eine von vielen „Filialen“ des gesamten Bibliothekssystems von New York. Mehr als 51 Millionen Gegenstände wie Bücher, E-Books und DVDs besitzt die Public Library aktuell.

 

Von den Büchern sieht man aber gar nicht so viele, wie man erwarten würde. Das hat einen bestimmten Grund. Fast alle befinden sich nicht in Regalen im Gebäude, sondern „draußen“ unterhalb des Bryant Parks, der vor der Public Library liegt. Möchte man ein Buch ausliehen, recherchiert man eine Nummer, gibt sie ab und das Buch wird mithilfe eines Lifts aus den Tiefen in einem Korb hochbefördert – das kann bis zu 50 Minuten dauern.

Landkarten, Holzrosen und Ghostbusters

Die Public Library von New York, Lesezimmer
Lesezeit
Die Bibliothek besteht aus drei Etagen und etlichen Räumen. Jeder ist individuell gestaltet und besitzt eine ganz spezielle – aus der Zeit gefallene – Atmosphäre. Es gibt einen Kartenraum mit hunderttausenden von Landkarten, einen Lesesaal mit den Maßen eines Fußballfeldes und gemalten Wolken an der meterhohen Decke. In diesem Raum ist eines Nachts einmal eine der hundert Holz-Rosetten herabgefallen und lag zerschmettert auf dem Boden. Daraufhin musste der Saal für zwei Jahre gesperrt werden, damit jede einzelne Rose untersucht werden konnte.
Die New York Public Library bietet kostenlose öffentliche Führungen an, an denen man unbedingt teilnehmen sollte. Die Mitarbeiter sind mehr als freundlich und gestalten das Ganze sehr informativ und witzig („Und bevor die Frage wieder aufkommt: Nein, keines der Bücher wurde beim Dreh von Ghostbusters mit Schleim beschmiert!“).
The New York Public Library, 476 5th Ave, New York, Metro: 42th St/Bryant Park, 7, M, B, D, F, Eintritt und Führung frei (Stand April 2017)

Kunst und Street Art in New York

Ein Blick ins Gesicht der Freiheitsstatue

Die Freiheitsstatue auf Liberty Island, New York
Einmal Lady Liberty ins Gesicht sehen
Mal ehrlich – die Freiheitsstatue sieht vom Battery Park aus echt winzig aus. Wer ihre ganze Präsenz spüren möchte, sollte also unbedingt hinfahren! Dazu bietet die Statue Cruise eine Tour mit der Fähre an, die erst zu Liberty Island mit der Statue führt und anschließend noch zur Immigrationsinsel Ellis Island. Bei beidem kann man individuell ein- und aussteigen. Es gibt auch aktuell die Chance, bis in die Krone der Statue zu steigen – aber Achtung, die Crown Tickets müssen (lange zuvor) bereits online reserviert werden. Ich habe leider keines mehr bekommen.
Die Wellen schlagen an diesem Tag hoch, der Wind auf der Fähre ist beißend. Ich krame vor einer verfroren schauenden Schulklasse meine Handschuhe und Eulenmütze heraus und kann mir gerade noch verkneifen, den Kindern ein L an meiner Stirn zu zeigen. Die Fähre dreht eine schöne Runde um Miss Liberty, wildes Fotografieren. Dann legt das Boot an. Der Audio Guide führt einen detailliert rund um die Insel, die übrigens einen wahnsinnig schönen Blick auf die New Yorker Skyline bietet.

Weshalb bin ich hier und was suche ich?

Die Skyline von New York von Liberty Island aus
Die Skyline von New York von Liberty Island aus
Miss Liberty sieht von Innen ungefähr so aus wie der Eiffelturm (dessen Erbauer hatte hier auch seine Finger im Spiel) und ist von außen nur mir einer dünnen Kupferschicht besetzt. Nun wird es für mich etwas emotional. Als ich Miss Liberty schließlich ins Gesicht blicke, bin ich überwältigt. Ich habe noch nie (!) eine Statue oder ein Bauwerk erlebt, mit so einer unglaublichen Ausstrahlung. Stärke, Widerstandskraft und Erhabenheit scheinen einem mit dem scharfen Wind ins Gesicht zu fliegen.
Verschiedene Bilder erscheinen und verblassen: Die Statue, wie sie den Immigranten damals erschienen sein musste, die nach Wochen auf dem Meer von der Dame mit der goldenen Fackel begrüßt wurden. Die Statue, wie sie am 11. September 2001 aus dem Rauch ragte. Plötzlich fragt mich die Stimme vom Audio Guide nach meinen persönlichen Beweggründen. Weshalb sind Sie her? Ich schaue Lady Liberty an und in diesem Moment wird mit bewusst, dass auch ich hier angekommen bin, weil ich etwas gesucht habe. Weil ich etwas erreicht habe, von dem ich immer geträumt habe. Und die Statue blickt zurück und reckt ihren 13 Meter langen Arm mit der Fackel hoch in den immer blauer werdenden Himmel (es klingt kitschig aber es war so!). Sie sagt: Stay strong, never give up, if you can dream it, you can do it. Ein wunderbarer Moment.

Geschichte erleben auf Ellis Island

Die Immigration Hall von Ellis Island
Geschichte lebt: Die Immigration Hall von Ellis Island
Als ich Ellis Island mit der nächsten Fähre erreiche, wird es nicht weniger aufwühlend. Die roten Gebäudekomplexe verströmen direkt eine historische Atmosphäre. Man landet in der Ankunftshalle, in der zwischen 1892 und 1954 auch die Geflüchteten angekommen sind. Alles riecht und vibriert, als wäre es kaum ein paar Tage her, auch wenn natürlich inzwischen verschiedene Museen in die restaurierten Gebäude eingezogen sind. Die Ausstellungen sind sehr gut gemacht. Verschiedene Räume sind wie Büros gestaltet, die einen den Ablauf nachempfinden lassen, den damals die Immigranten zu durchlaufen hatten. Leider geht die letzte Fähre um 17 Uhr zurück zum Festland – ich habe längst nicht alles gesehen und halte es auch für kaum zu schaffen an einem Tag. Am besten setzt man früh Prioritäten und schläft nicht zu lange. Übrigens: 98 Prozent aller 12 Millionen Immigranten hat Amerika damals ohne große Umschweife aufgenommen! Deutsche, Iren, Japaner, Juden, Araber, Norwerger, … So what has happened, Mr. Trump?

 

Statue Cruises zu Liberty Island und Ellis Island, Metro: Whitehall South Ferry,1, R, W, Tickets ab $ 18 (Stand April 2017)

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