Mit dem Fahrrad durch den Oman: 600 Kilometer zwischen Sand und Sternen.

4. März 2018

Fahrradreise durch den Oman, Arabien
Mit dem Rad durch den Oman - mit interessierten Einheimischen

Bunt und winzig schmiegen sich die Zelte an die schroffe Felswand. Statt Tapete schmücken Palmen den Hintergrund. Statt der Deckenlampe funkeln die Sterne. Daneben Fahrräder im Staub bepackt mit dicken Gepäckträgertaschen. Lutz Bothe und seine drei Freunde sind auf Tour. Allerdings nicht durch das beschauliche Münsterland, sondern durch den arabischen Wüstenstaat Oman. Mit Drahtesel, wilden Tieren, vergessenem Pass und einem Autorennen nachts am Strand. Ich habe mit ihm über seine außergewöhnliche Radreise gesprochen und natürlich auch noch ein paar praktische Reisetipps für euch am Start!

„Die Idee, den Oman mit dem Fahrrad zu bereisen, kam auf, als wir einem Vortrag über eine Tour in Tansania gesehen haben“, erinnert sich Lutz. Zur Truppe gehören er und drei naturbegeisterte Freunde aus der kleinen Gemeinde Huy. „Nach etwas Recherche fanden wir heraus, dass der Oman ein sicheres Urlaubsland ist, das noch nicht vom Tourismus überflutet worden ist. Dann empfahl uns noch jemand persönlich das Land und das Wetter im Januar passte auch.“ Zu dieser Jahreszeit ist es dort nämlich ebenfalls Winter und die Temperaturen liegen bei gemütlichen 30 °C. Ihr habt euch jetzt nicht verlesen.

 

Fahrräder im Flugzeug mitnehmen: von der Türkei in den Oman

Maskat mit Sultan-Qabus-Moschee bei Nacht
Maskat mit Sultan-Qabus-Moschee bei Nacht

Sofort geht es los mit der Planung. Fahrräder leihen wollen Lutz und seine Mitstreiter nicht – also bauen sie kurzerhand ihre eigenen Drahtesel auseinander, stecken sie in Kartons und verfrachten sie über die Türkei in den Oman. „Die Fahrräder kamen ohne Beschädigungen an.“

580 Kilometer lang ist die Route, die die Gruppe geplant hat. Von der Hauptstadt Maskat nach Sur über die östlichste Landspitze Ras Al Hadd nach Al Kamil und schließlich zurück mit Taxi und Rädern auf der Ladefläche nach Maskat.

„Dass die Tour für uns ambitioniert war, hat uns nicht abgeschreckt“, erklärt Lutz. „Wir haben es uns immer offen gelassen, bei zu schwierigen Streckenabschnitten die Route anzupassen. Es sollte neben der körperlichen Anstrengung ja auch Spaß machen.“

Und Spaß gibt es ebenso wie Tausende von Eindrücken. Schon am ersten Abend sieht die Reisegruppe die gigantische Sultan-Qabus-Moschee bei Nacht mit ihrem leuchtenden Zwiebelturm und der lang gestreckten eleganten Fassade. 300.000 Tonnen Sandstein stecken dort drin, 2001 wurde der Bau eröffnet. Schönheit muss nicht immer antik sein.

 

Radtour durch den Oman – schlafen unter Sternen mit Grillen

Camping unter Sternen in der Wüste im Oman
Bunte Zelte am Fuße eines Felsmassivs

„Nachts haben wir öfter in einem Wadi übernachtet und unsere Zelte dort in völliger Einsamkeit aufgeschlagen.“ Nein, Hotels sind auf der Route überwiegend nicht geplant. Stattdessen lauschen Lutz und seine Freunde nachts dem Zirpen von Grillen und dem Gurgeln der Bewässerungskanäle, während der Mondschein die Felsen mit weißem Licht bepinselt. In einem Wadi sollte man übrigens nie unbedarft campieren, denn es handelt sich dabei um meist trockene Flussbetten. Geht irgendwo ein Unwetter nieder, füllt es sich – selbst wenn das Gewitter weit entfernt ist – rasend schnell mit Wasser und kann zur tödlichen Gefahr werden.

Von Gefahr ist Lutz allerdings weit entfernt. In einem arabischen Land? Ja, in einem arabischen Land! „Wir haben wirklich nur freundliche und hilfsbereite Menschen getroffen“, sagt der Abenteurer. „Trotzdem darf man nicht vergessen, dass der Oman ein traditionell muslimisch geprägt ist. Eine entsprechende Kleiderordnung und das Wissen über Verhaltensregeln, besonders beim Fotografieren von religiösen Stätten, ist schon wichtig.“

Kinder am Straßenrand klatschen die Radler ab. Der Besitzer einer Bäckerei lädt die Gruppe sogar zu sich ein. An einem Abend zelten die Radler neben einer Omanifamilie, die die halbe Nacht gemeinsam picknickt. „Zuerst haben wir die Menschen als zurückhaltend freundlich empfunden“, erinnert sich Lutz. „Aber immer wenn wir ins Gespräch kamen, waren alle sehr entgegenkommend und hilfsbereit.“



Wilde Tiere auf der Rundreise im Oman

Fahrradfahren im Oman
Radtour durch den Oman bei 30 Grad

Einige Tage später radeln die Freunde erst an einem Warnschild vor Tigern vorbei, dann treffen sie auf wilde Dromedare. Was für ein wolliger und majestätischer Anblick. Als Lutz davon erzählt, muss ich daran denken, wie mir im Yellowstone National Park ein Grizzlybär begegnete und er vor dem Auto galant über die Leitplanke hüpfte.

Kurz vor Al Kamil übernachtet die Gruppe ein letztes Mal am Meer, bevor es auf einer staubigen Straße ins Landesinnere geht. „Nachts ging dann auf einmal ein Autorennen am Strand los.“ Lutz lacht.

Und plötzlich der Schreck! „Wir waren in einem Supermarkt einkaufen und fuhren weiter. Nach zehn Kilometern merkte ich, dass ich meinen Brustbeutel mit Geld und Pass liegengelassen hatte.“ Sofort denkt Lutz an die Probleme, die er ohne Pass bekommen wird, und düst zurück zum Laden. „Etwa einen Kilometer vor dem Ziel hielt ein Pick-up neben uns an und der Kassierer des Supermarkts schaute heraus. Er hatte die Tasche gefunden und war auf der Suche nach uns.“ Erleichterung pur und ein wieder einmal ein Beweis für die Freundlichkeit, die einem als Reisendem an noch so außergewöhnlichen Orten oft entgegenschlägt. Nach zwölf Tagen im Oman und sieben Tagen auf dem Rad treffen Lutz und seine Bekannten mit einer ganzen Pick-up-Wagenladung voller Erfahrungen und Eindrücke wieder zu Hause ein.


Fakten & Antworten: Reisen im Oman

Fahrräder per Flugzeug transportieren, Radreise ins Ausland
Fahrräder verpackt und verschifft in kleinen Teilen

Mir geht es nach solchen Geschichten oft so, dass ich mich frage: „Wie funktioniert das alles?“ Also habe ich hier mal ein paar Antworten von Lutz gesammelt:
 

Wie sieht es mit der Sprache aus?

Vieles ist auf Englisch ausgeschildert und die Omanis sind in der Regel sehr freundlich und hilfsbereit, wenn man etwas nicht weiß. Man kommt mit Schulenglisch gut zurecht, in den ländlichen Gebieten kann es aber passieren, dass nur Zeichensprache weiterhilft.

 

Was gibt es dort zu essen?

Die Küche war bekömmlich. Reis mit Hühnchen oder Fisch und mit Curry findet man in jeglicher Variation. Ansonsten waren wir Selbstverpfleger. Kaffee, Tee, Müsli, Spagetti, Pudding, Trockenobst, Fertigmahlzeiten und ein paar Süßigkeiten hatten wir mitgebracht oder konnten wir in den Märkten nachkaufen. Wichtig: Bei der Einfuhr unbedingt die Zollbestimmungen lesen. Es gibt einige Sachen, die nicht eingeführt werden dürfen. 

 

Wie ist die Sicherheitslage im Oman?

Unsere Recherche vorher ergab, dass der Oman für Touristen ein sehr sicheres Land ist. Uns war es aber auch sehr wichtig, die Umgangsformen dort zu beachten. Das möchte ich auch jedem Empfehlen. Auf Nachfrage konnte ich etwa mit entsprechender Kleidung ohne Probleme eine Moschee besichtigen.

Lutz Bothe von huystagram im Oman auf Reisen
Lutz unterwegs per Rad im Oman

Welche Reisezeit ist empfehlenswert? Was sollte man beim Klima beachten?
Die beste Reisezeit ist vom November bis März, also im Winter. Wir hatten Temperaturen um die 30° am Tag. In den Bergen war es etwas kühler. Nachts lagen die Temperaturen teils um die 15°. Ich empfehle, die ersten Tage vorsichtig anzugehen und immer genügend Wasser dabei zu haben. Wir hatten die ganze Zeit Sonnenschein. Allerdings kann es an der Küste auch regnen oder stark stürmen und zu Überschwemmungen kommen.

Wie verlief die Einreise? Welches Visum benötigt man?

Das Visum ist in der Omanischen Botschaft in Berlin erhältlich. Wenn es dort vorher beschafft, kommt man bei der Einreise schneller voran. Wir haben unser Visum aber auch ohne lange Wartezeiten im Airport von Maskat erhalten. Es gibt Visa mit unterschiedlichen Laufzeiten. Das für 10 Tage war zu kurz, also mussten für das für 30 Tage bezahlen. Kosten $ 50. Die Kontrollen sind streng. Der Pass wird genau geprüft und man wird kurz befragt.

Für eine Reise mit Rad und Auto – wie sind Zustand der Straßen und Verkehr?
Wir sind größtenteils über gut ausgebaute Straßen mit breiten Randstreifen gefahren. Die Verkehrsregeln sind unseren ähnlich. Verstöße werden streng geahndet. Man muss aber auf jeden Fall sehr auf die anderen Verkehrsteilnehmer achten, besonders in den Kreiseln. Die Omanis sind manchmal sehr schnell unterwegs. Einen Helm empfehle ich immer, nur sollte es bei dieser Hitze kein schwarzer sein, so wie meiner.

Ich habe Lutz durch Instagram kennengelernt. Dort postet er als huystagram regelmäßig stimmungsvolle Bilder von nah und fern. Er sagt, bei seinem 999. Post ist Schluss. Aber das hoffe ich nicht.

Alle Bildrechte liegen bei © Lutz Bothe/huystagram

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