Zwischen Hippies, blauen Steinen und runden Ecken – der Turquoise Trail in New Mexico.


Road Trip · Turquoise Trail · New Mexico, USA · 100 km · Tagestour


26. Januar 2018

Der Turquoise Trail in New Mexico, USA von Santa Fe bis Albuquerque
Auf dem Turquoise Trail von Santa Fe nach Albuquerque

Sanft klingt das bunte Windspiel in der Brise. Der blaue Himmel spannt sich wie ein Segeltuch über den endlosen Horizont und raue Steine reißen gezackte Schatten in den aufgesprungenen Asphalt. Der Turquoise Trail in New Mexico schneidet rund 100 Kilometer lang in die zauberhafte Landschaft aus roten Felsen und sandiger Strauchsteppe ein. Zwischen Santa Fe und Albuquerque verstecken sich bunte, historische Dörfer mit Kunsthandwerk, urigen Museen – und vor allem Schätzen aus Türkis-Minen. Ein Road Trip abseits großer Interstates, wo Zeitlosigkeit zum Taktgeber wird.

 

Starten könnt ihr auf dem Turquoise Trail sowohl von Santa Fe aus als auch von Albuquerque. Beide Richtungen sind sehenswert. Mein Weg beginnt in Santa Fe. Die über 400 Jahre alte Stadt ist ein Juwel aus Lehmstein und gehört für mich zu den beeindruckendsten und außergewöhnlichsten Orten der Welt. Obwohl sie mit rund 90.000 Einwohnern, und als Hauptstadt des Bundesstaates New Mexico nicht klein ist, wirkt sie wie eine einzige, verwinkelte und verwunschene Altstadt. Denn die meisten Gebäude sind im braunen, warmen Pueblo-Stil mit seinen runden Ecken errichtet. 1912 legte die Stadtverwaltung fest, dass alle Neubauten ab sofort nur noch in dieser Weise angelegt werden dürfen. Noch heute verkleidet die Stadt „modern“ aussehende Gebäude von außen mit dieser Technik.

Gute Beschilderung und Zimtschnecken

Das San Marcos Cafe auf dem Turquoise Trail, Highway 14, New Mexico, USA
Karten und ein Snack im San Marcos Cafe

Von Santa Fe aus führt der Turquoise Trail auf dem Highway 14 aus der Stadt hinaus. Die Straße ist ganzjährig geöffnet und der „Scenic Byway“ ist auch beschildert. Ich habe allerdings immer Probleme, beim Fahren Schilder zu entdecken und dabei nicht gleichzeitig gegen sie zu fahren, weshalb ich einfach „Los Cerrillos“ als erstes Ziel in mein Navi eingegeben habe. Damit landet ihr automatisch auf dem Turquoise Trail. Kurz hinter Santa Fe ergießt sich die ebene Steppe mit den grau-grünen Gräsern in Richtung eines endlosen Horizonts. Weiße Wolken liegen wie auf einer Glasplatte über der Landschaft.

 

Einen ersten Stopp könnt ihr am San Marcos Cafe & Feed Store machen. Aufgemalte Blumen umranken die bunte Holztür. Der laue Wind lässt eine rote Staubfahne in der Luft entstehen. Falls ihr bis dahin noch nicht eingedeckt seid: Hier gibt es unter anderem die tolle Faltkarte zum Turquoise Trail und Zimtschnecken. Auch Tankstellen findet ihr unterwegs immer wieder. Entspannter und günstiger ist es allerdings, wenn ihr in Santa Fe oder Albuquerque auftankt. Weiter geht es nach Los Cerrillos. Das Minengebiet dort ist eines der ältesten der gesamten USA.

Madrid: Von der Geisterstadt zum Künstlerdorf

Galerien und Museen in Madrid, New Mexiko, frühere Geisterstadt, USA
Wunderschöne, bunte Holzhäuser in Madrid mit Galerien und Handwerk

Das Wort „Mine“ löst bei mir immer die Assoziation mit Kohle, Dunkelheit und Dreck aus. Doch hier wurden Türkise geschürft. Die ersten Steine bauten Pueblo-Stämme um 900 nach Christus ab. Heute findet ihr entlang des Trails in fast jedem Dorf kleine Schmuckläden, in denen Türkise von tiefstem Blau bis zum hellsten Grün teils noch vor Ort von den Künstlern verarbeitet werden. In Los Cerrillos könnt ihr im Mining Museum mehr zur Geschichte des wasserfarbenen Minerals erfahren.

 

Ein besonderes Highlight ist im Anschluss das Dorf Madrid. Nach vielen goldenen Jahren zerfiel die Stadt mit dem Ende des Bergbaus wortwörtlich zu Staub und verkam zur Geisterstadt. Unvorstellbar, als ich vorbei an bunten Töpfereien, klingenden Windspielen und regenbogenfarbenen Briefkästen fahre. Doch in den 1970er Jahren ließen Hippies und Künstler die Stadt wieder aufleben. In der Jezebel Gallery gibt es ungefähr eine Tonne von extrem leckerem Eis und in der Indigo Gallery taucht ihr ein in eine Welt aus orangefarbenen Felsen und bronzenen Schafen. Die Menschen sind alle unfassbar freundlich und erzählen mit Ruhe und Begeisterung über ihre Kunst und das Leben am Turquoise Trail.

 

In Madrid solltet ihr mindestens zwei Stunden einplanen, obwohl es im Grunde nur aus einer einzigen Straße besteht, die dafür jedoch geradezu magisch ist.

 


Weite Landschaft in New Mexico, Wüste, Steppe, Bahnlinien

Fantastische Ausblicke und die letzte Kirche im Dorf

Landschaft New Mexiko
So wunderschön, dass es nicht real zu sein scheint: Der Turquoise Trail bei Madrid

Aus Madrid hinaus schlängelt sich der Highway die rostbraunen Berge hinauf und der Atem stockt und verfängt sich in den Stacheln der Kakteen am Wegesrand bei einem Blick in den Rückspiegel. Unbedingt in eine der Haltebuchten fahren, den warmen Asphalt berühren und die Unendlichkeit der Farben wirken lassen.

 

Kurz darauf gelangt ihr nach Golden. Doch der Name täuscht. Die Stadt steht in Ruinen. Nur die pittoreske San Francisco Catholic Church hält einsam die Stellung.

 

Bei San Antonio bietet sich ein Abstecher auf den Highway 536 Richtung Sandia Park mit dem Berggipfel des Sandia Crest an. Im Sommer könnt ihr hier wandern und im Winter auch Skifahren. Zu jeder Jahreszeit lohnt sich ein Blick von den Sandia Mountains hinab auf Albuquerque – besonders im Abendrot. Der höchste Punkt liegt auf 3.200 Metern. Dort könnt ihr auf einer 20 Kilometer langen, gewundenen aber gut ausgebauten Bergstraße bis zum Gipfel fahren!

 

Tinkertown: Das Wunderland auf dem Turquoise Trail!

Tinkertown Museum mit Holzfiguren in New Mexico
Das urige Tinkertown Museum in New Mexico

Weiter unten im Tal wartet dann noch ein echt schräges, kleines Museum: das Tinkertown Museum. Alte Westernstädte entfalten sich in liebevollen Miniaturwelten und Hunderte, handgearbeitete Holzfiguren, fangen an, ihre historischen Glieder ächzend zu bewegen, sobald man einen Vierteldollar einwirft. Ein Märchenkabinett nicht nur für Kinder! An einer kleinen Futterschale neben dem Eingang habe ich übrigens den ersten Kolibri meines Lebens gesehen. Ich war mehr aus dem Häuschen als jeder Kuckuck!

 

Letzte Station auf dem Turquoise Trail ist Tijeras. Dort leben ungefähr 500 Menschen und es gibt ein Info-Center für Wanderungen im Cibola Forest. Wenn ihr von dort aus Richtung Albuquerque fahrt, trefft ihr auf einen Teil der historischen Route 66.

 

Fakten: Dauer, Klima, Übernachtungen

Sandia Peak © The City of Albuquerque
Sandia Peak © The City of Albuquerque

Der Turquoise Trail an sich ist mit 100 Kilometern und einigen Stopps an einem Tag zu schaffen. Wer sich die vielen Galerien und Geschäfte länger ansehen möchte, sollte zwei Tage einplanen – es gibt einige Bed & Breakfasts und auch Campingplätze. Die B&Bs liegen jedoch bei um die $150 pro Nacht, weshalb es deutlich mehr Sinn macht, in Santa Fe oder Albuquerque zu übernachten. Für die Besichtigung beider Städte lohnen sich auch noch einmal ein bis zwei ganze Tage extra. Die Route ist übrigens auch für Wohnmobile geeignet.

 

In den Sommermonaten kann es am Turquoise Trail sehr trocken und heiß werden, im Winter schneien und Frost geben. Ich empfehle daher Herbst und Frühling für den Road Trip.

 

Wart ihr selbst schon da? Dann berichtet doch mal von euren Erfahrungen, Eindrücken und Lieblingsläden! Habt ihr noch weitere Fragen zum Road Trip? Dann schreibt mir einfach, denn ich weiß noch einiges mehr über die Route, als in diesen Beitrag gepasst hat.

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