Hilfe – ich will reisen und verstehe die Sprache nicht!

10. Februar 2018

Sprachprobleme auf Reisen: Blogger ohne Französischkenntnisse an der Cote'd Azur
Cote d'Azur und kein Französisch - macht doch nichts!

Die 80-jährige Französin schaut uns ratlos mit schmalem Lächeln an. Sie spricht kein Wort Englisch. Wir grinsen. Wir können kein Französisch, weil wir uns in der 7. Klasse intelligenterweise dazu entschieden haben, Latein zu lernen. Dumm gelaufen. Leider quillt der Mülleimer in unserem Appartement trotzdem über und wir wüssten gern, wo wir ihn leeren können. Ein Problem, bei dem uns weder Ablativus absolutus, noch Abitur helfen.

Ihr habt Angst, in ein anderes Land zu reisen, weil ihr glaubt, ihr würdet Probleme mit der Sprache haben, euch blamieren oder nicht zurechtkommen? Dann gibt es jetzt für euch eine Portion Mut, die besten Hacks, ordentlich was zu lachen – und dann wird das schon!

 

Szenenwechsel in ein Bilderbuch der Sprachprobleme auf Reisen: Ich bin 14 und das erste Mal mit meinen Eltern im Ausland. Die beiden sind sonst eher Fans von deutscher Nordsee und bayrischen Kuhwiesen. Jetzt sind wir in Portugal. Ich klammere mich an mein grünes Buch, auf dem PONS steht. Portugiesisch – Deutsch. Deutsch – Portugiesisch. Funktioniert irgendwie in beide Richtungen nicht so wirklich gut. Ich habe ein paar Sätze auswendig gelernt, die hinten abgedruckt sind. Instant-Kommunikation zum Aufbrühen. Aber ich stehe auf dem Trocknen. Ein Portugiese schaut mich an. Wusste ich nicht gerade noch was „Wo fährt der Bus ab?“ hieß? Das einzige Wort in meinem Kopf ist leider nur noch PONS. Bums.

Sprachprobleme auf Reisen: Her mit dem Zeige-Wörterbuch!

Zeige-Wörterbücher und Zeichnungen auf Papier helfen bei Sprachproblemen im Ausland
Wo geht es mit dem Bus zum Strand? Eine simple Zeichnung hilft!

Sätze aus einem Reiseführer abzulesen oder zu lernen bringt in der Regel nichts. Denn selbst wenn man sie halbwegs unfallfrei herausbekommt, versteht man die Antwort wohl ohnehin nicht. Doch manchmal sind Worte Silber und Bilder Gold. Recht einfach verständigen könnt ihr euch mit sogenannten Zeigewörterbüchern, in denen Lebensmittel, Gegenstände und sogar Zustände als simple Zeichnung oder Foto abgebildet sind, die jeder versteht. Die gibt’s übrigens auch von PONS. Aber lasst uns nicht weiter über mein portugiesisches Kindheitstrauma reden.

 

Die Alternative zum Zeigewörterbuch ist der gute alte Block mit Stift. Einfach in den Rucksack stecken und bei Bedarf aufmalen, was man sagen oder haben möchte. Dort könnt ihr auch die Namen von Orten oder Bahnstationen aufschreiben, die ihr besuchen wollt. Manchmal hilft auch eine Faltkarte, auf der ihr den Ort vorher mit einem Kreuz markiert. Wer vor einem Einheimischen auf den Strand oder die Kathedrale St. Peter zeigt, erhält in der Regel einen halbwegs brauchbaren Hinweis für einen Bus oder eine grobe Richtung.

 



Apps und Maps: mit Offline-Karten unterwegs

Die App maps-me auf einem Smartphone zur Offline-Routenplanung
Die Offline-Karten von maps.me sind sehr detail- und hilfreich

Da heute fast jeder ein Smartphone hat, geht das Ganze natürlich auch digital. Dafür benötigt ihr nicht einmal Daten. Ladet am besten schon zu Hause im eigenen W-LAN eine Karte herunter, die auch offline funktioniert. Das bietet Google Maps kostenlos an. Ich nutze am liebsten maps.me. Die Karten dort sind so genau, dass sogar Mülleimer und Parkbänke eingezeichnet sind – wow! Ich habe mich damit sowohl in der Wüste von Nevada als auch mitten in Tokio zurechtgefunden, ganz ohne große Worte.
Wenn ihr etwas Bestimmtes essen oder kaufen wollt, ladet euch doch vorher ein paar Fotos aus dem Internet auf euer Handy und zeigt die Bilder später im Laden.

 

Wenn ihr über Ferienwohnungen, Airbnb oder Couchsurfing unterwegs seid (das gilt aber auch für Hotels), könnt ihr oft einsehen, ob euer Gastgeber eventuell sogar Deutsch spricht und so euer Sprachproblem auf Reisen erleichtert, Fragen beantworten oder dolmetschen kann. Sogar in Japan haben wir deutsch sprechende Hosts entdeckt! Als unsere perfekt Englisch sprechende Gastgeberin uns dort erzählte, dass es in der Nähe eine romantische Eisenbahnstrecke gibt, habe ich allerdings wohl etwas zu euphorisch geguckt, denn später hat sie in ihrer sehr netten Bewertung erwähnt, dass mein bester Freund und ich ein total tolles Pärchen gewesen wären.

Schriftzeichen zählen oder Apps für Texterkennung mit Bohnenmus

Japanische Schriftzeichen verstehen mit Apps, Tricks und Symbolik
Selbst mit fremden Schriftzeichen erklärt sich vieles durch simple Tricks

Sprachproblem deluxe! Das dachte ich auch. Doch in den großen Städten sind tatsächlich fast alle lebensnotwendigen Hinweise wie „Eingang“ und „Supermarkt“ auch auf Englisch angeschlagen. Und ab da hilft allen, die sich auch mit Englisch nicht so auskennen, ja dann auch wieder PONS. Hurz!

 

Meine reiselustigen Großeltern haben im Übrigen beide oft Sprachprobleme im Ausland gehabt und besaßen nur wenige Englischkenntnisse. Wobei meine wagemutige und beherzte Oma im spanischen Krankenhaus immerhin einmal rebellisch verkündete: „I go home!“ Die beiden sind auch mit 80 Jahren noch mehrfach nach Griechenland gereist – wo es ebenfalls andere Schriftzeichen gibt. Dabei haben sie an Bushaltestellen und auf Straßenschildern oft die Anzahl der Zeichen gezählt oder sich besonders markante Schriftzeichen gemerkt und sind damit sehr gut durchgekommen. Es gibt auch Apps, mit denen man Schriftzeichen abfotografieren und übersetzen lassen kann. Funktioniert aber nicht immer ganz ohne Zweifel. Immerhin konnte ich einmal damit herausfinden, dass der Aufstrich vom Schokobrötchen in Wahrheit Bohnenmus war …

 

Auf der Reise Gesten deuten und das Sprachproblem weglachen

Russische Schrift lesen, Kassenbon aus einem Kaffee
Reingefallen: Auf Verdacht in Moskau auf Russisch zwei Kaffee bestellt ...

Ganz allgemein helfen oft Gesten. Klingt simpel, ist aber sehr effektiv! Allerdings solltet ihr vorher kurz recherchieren, ob es im Land eurer Reise vielleicht andere Bedeutungen für Gesten gibt. Ich Bulgarien heißt ein Nicken zum Beispiel „nein“, in manchen arabischen Ländern ist der erhobene Daumen ganz und gar nicht „OK“, sondern dem Mittelfinger gleichgesetzt. Da würde es im entscheidenden Fall nur noch helfen „I go home!“ zu brüllen und schnellstens zu verschwinden.

 

Mit Hilfe von angedeutetem Knüllen, Werfen und ausladenden Armbewegungen konnten wir der Französin übrigens klarmachen, dass wir die Papiertonne gesucht haben. Danach ging sie sofort mit uns in den Keller und zeigte sie uns. Strike!

 

Jetzt noch das Wichtigste zum Schluss: Lachen und sich nicht für eine falsche Aussprache schämen! Ein kurzes Lachen oder Lächeln kann fast jede Situation der Konfusion entspannen. Denn eines kann ich euch aus meinen unzähligen Erfahrungen ganz sicher sagen: Es ist NICHT peinlich, etwas nicht zu wissen oder falsch zu betonen! Glaubt ihr mir nicht? Na, dann stellt euch mal vor, ihr steht bei euch zu Hause am Bahnhof und ein spanisches Pärchen mit Sonnenbrille und Rucksack kommt auf euch zu und starrt hilflos auf eine Stadtkarte. Würdet ihr dann erst einmal laut lachen, weil sie kein Deutsch oder Englisch sprechen? Ich denke nicht. Also habt Mut. Schlimmer, als eine Sprache nicht zu sprechen, ist nur, deshalb zu Hause zu bleiben!

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Sandra (Dienstag, 27 März 2018 18:07)

    Danke für die tollen Tipps und das mitmachen. Vielleicht trau ich mich dann doch nach Spanien:-)

  • #2

    Lonelyroadlover (Donnerstag, 29 März 2018 13:46)

    Hey Sandra!
    Vielen Dank für deinen lieben Kommentar! :) Ich denke, Spanien wirst du ganz sicher rocken! Ich traue dir das auf jeden Fall zu. Vielleicht ja auch erstmal nur ein langes Wochenende, wenn du unsicher bist. Erzähl mir doch danach mal, wie es war. Einfach immer daran denken: Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen und wir sind alle nur Meschen!
    Liebe Grüße,
    Sarah

Ehrliche Reise- und Lebensgeschichten mit einem scharfen Schuss Humor. Ein Blog, der dir in den Hintern tritt, damit du rausgehst und lebst. ♥


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