Der Rückweg durch den Wilden Norden der USA.

8. Juli 2017

Bloggerin am Lake Tahoe
So blau wie der Himmel - der Lake Tahoe

Eine dünne Nebelschicht liegt über den Spitzen der Golden Gate Bridge, als ich San Francisco im Morgenlicht verlasse. Es geht zurück nach Hause. Irgendwie. Ein seltsames Gefühl. Aber noch liegt ein Monat vor mir. Ein Monat in der wilden Natur des Nordens der USA. Blaue Seen, Schnee, dunkelgrüne Tannen, heiße Quellen. Ein Monat, in dem ich versuche, komplett ohne Motels auszukommen und möglichst oft privat zu übernachten. Ich habe mich zum ersten Mal in meinem Leben bei Couchsurfing angemeldet.

 

Rot schimmert die Rinde der uralten und riesigen Bäume in den Muir Woods. Der Nationalpark befindet sich kurz hinter San Francisco. Ein Bach plätschert, wirft Schaum auf. Moos hängt von kahlen Ästen wie Lametta. Schließlich flüchte ich vor brüllenden Touristen auf einen weniger genutzten Weg und wandere zwei Stunden fast allein durch die wunderschönen kalifornischen Redwoods.

Redwoods und Wein in Kalifornien

Mammuthbäume im Muir Woods National Monument, Kalifornien
Majestätisch: Die Bäume im Muir Woods National Park
Nachmittags treffe ich in Vallejo meine allerersten Couchsurfing-Hosts. Ein älteres Ehepaar, das gleich extrem herzlich ist. Wir lassen den Abend bei leckerem, selbst gemachten Salat auf der Terrasse ausklingen.

 

Am nächsten Tag unternehmen wir gemeinsam eine Tour ins Napa Valley, das für seinen Weinanbau bekannt ist. Überall gibt es Probier-Stuben. Weinreben ranken sich die goldenen Hügel hinauf. Jetzt noch so ein kleiner Rhein und man könnte auf die Idee kommen, man wäre in Deutschland. Wie besichtigen einige niedliche Städte im Western-Stil und picknicken schließlich mit Brot, Oliven und Wein in einem Park. Meine Idee, den mir nicht so bekannten Norden mit Einheimischen zu erkunden, stellt sich als wunderbar heraus.

 

Das Wasser so Blau, die Berge so weiß: Ein Tag am Lake Tahoe

Lake Tahoe, schneebedeckte Berge, Kiefern
Kalt? Von wegen - schwimmen im Paradies

Nun ja. Oder auch nicht so ganz. Mein nächster Stopp ist Carson City in Nevada am unglaublich klaren und blauen Lake Tahoe. Hier übernachte ich wieder mit Couchsurfing. Doch als ich am nächsten Tag um sieben Uhr morgens vor die Tür gesetzt werde, weil der Host keine Gäste in seiner Wohnung duldet, während er arbeitet (ohne mir das vorher mitzuteilen), bin ich doch – wie man in Deutschland so schön diplomatisch sagt – irritiert. Doch wie immer hat alles im Leben einen tieferen Sinn. Denn so treffe ich am See die Familie Dunford aus Salt Lake City. Wir verbringen den Tag zusammen, gehen kayaken und am Ende laden sie mich zu sich nach Salt Lake City ein, da ich dort in wenigen Tagen vorbeikommen werde. Meine zweite Nacht in Carson City verbringe ich dann übrigens spontan in einem Motel. Ich war wohl einfach zu irritiert.

 

Der Weg nach Salt Lake City erscheint mir wie eine Vision. Schwarze und rote Bergumrisse spiegeln sich auf weißen Salzflächen, wo die Hitze Wasser suggeriert, das dann gar nicht da ist. Oder doch? Meile um Meile zieht sich der Highway durch diese apokalyptisch-interessante Landschaft. Ab und an unterbrochen von Sendemasten und flirrenden Gebäudeumrissen, die auch UFO-Landeplätze sein könnten. Die Wüste ist zurück. Willkommen in Utah!


Sonnenuntergang und Beleuchtung an den Niagarafällen USA

Leben in Salt Lake bei Mormonen

Temple Square Salt Lake City, Utah
Der Temple Square in Salt Lake City
Mein Empfang bei den Dunfords ist einfach nur wunderbar. Die Familie gehört dem Glauben der Mormonen an und so besuche ich mit ihnen gleich am ersten Morgen eine Aufführung des berühmten Mormon Tabernacle Choir. Anschließend gibt es eine Tour über den beeindruckenden Temple Square und ich habe die Chance, mit ein paar Leuten aus der Gemeinde über Glauben und Leben nach dem Tod zu sprechen. Niemand ist aufdringlich und es ist ein spannender Austausch.
Am Abend wandere ich mit Vater, Sohn und zwei Hunden noch in den Sonnenuntergang und höre zum ersten Mal in meinem Leben eine Eule.
Gleich am nächsten Tag klettern wir früh morgens zwei Stunden lang in die Berge zu Hot Springs – warme Wasserquellen. Dort kann man in natürlichen Pools baden. Ein einkalter Wasserfall stürzt gleich daneben in die Tiefe. Dutzende von großen, gelben Schmetterlingen fliegen auf, als ein Spritzer ihre Ansammlung trifft.
Nachmittags wird es über 40 Grad heiß in Salt Lake City. Den bekannten See selbst kann man übrigens vergessen. Er stinkt und die Wasserqualität liegt eher auf dem Level „Hautausschlag“.

"Just do it!" - Sprung in die Tiefe

Bloggerin springt in einen Bergsee in der Nähe von Park City, Utah
"Just do it!"
Als es abends kühler wird, fahren Claire – die 18-jährige Tochter der Familie – und ich mit dem Auto nach Downtown, sehen den Sonnenuntergang über dem State Capitol und wandern im Dunkeln über ein Parkdeck mit Blick auf die Lichter der Stadt. Es ist angenehm warm und alles fühlt sich unendlich an. Wir essen spät in einer Sandwich-Hipster-Bar und quatschen. Es ist, als würden wir das jeden Abend machen und mein rastloses und heimatloses Reiseherz schwebt plötzlich in wohliger Ruhe.

 

Am letzten Tag fahren wir in den Wintersport-Ort Park City und wandern auf 3000 Metern Höhe zu einem Bergsee. Dort hängt ein Seil von einem Baum, mit dem man sich ins Wasser schwingen kann. Ich zögere. Ist das Wasser wohl kalt? Sind da nicht Felsen unter der Oberfläche? Claire springt. „Just do it!“, ruft sie dann und lacht hell. You only live once, denke ich, greife das Seil, nehme Anlauf und springe. Alles loslassen. So Vieles habe ich geplant für diese Reise – und jetzt am Ende lasse ich die Fäden aus der Hand gleiten. Kein Plan. Alles ist möglich. Ich grinse, als ich aus dem Wasser auftauche. Es ist nicht kalt und die Felsen sind weit weg. Am Abend gehe ich mit Claire in einen Yoga-Kurs. Zum ersten Mal in meinem Leben. Jetzt habe ich noch zwei Wochen auf meinem Weg nach Chicago. Zwei Wochen, um möglichst viele Dinge zum ersten Mal in meinem Leben zu tun. Im wilden Norden.

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