Von der Fabrik in die Freiheit:

„Die beste Entscheidung meines Lebens!“

29. März 2018

Vanlife, mobile Living, Camper, Sonnenuntergang, Hippiegirlgoingtoplaces
Hund Zelda und Indigo unterwegs

Ihre langen Haare umspielen das Gesicht mit der markanten Brille. Indigo lacht. Sie trägt ihren Hund auf ihren Schultern, hebt die Hand und zeigt das Friedenszeichen. Im Hintergrund liegt Schnee. Die junge Frau ist irgendwo in Montana (USA) unterwegs. Neben der wundervollen Landschaft gibt es vieles, was bemerkenswert wäre. Doch in meinem Kopf verbleibt einzig Indigos Lachen. Ihre vor Freude zusammengekniffenen Augen. Die Ehrlichkeit, mit der die Euphorie über ihre Gesichtszüge hereinbricht.

 

Indigo und ihr Hund Zelda leben Vollzeit in einem zum Camper umgebauten Pick-up. „Ursprünglich haben wir mal in einem umgebauten Van gewohnt aber irgendwann war er hinüber und jetzt haben wir den Camper“, erzählt sie. „Wir leben jetzt schon seit einigen Jahren auf diese Weise – und ich kann aus vollster Überzeugung heraus sagen, dass es die beste Entscheidung war, die ich je getroffen habe.“ Sie hätte diese Worte nicht sagen müssen. Sie stehen in ihrem Ausdruck wie Konfettiregen.

 

„Im Laufe des Jahres widme ich mich meist vier oder sechs Monate lang verschiedenen Jobs. Ich versuche dann, so viel wie möglich zu arbeiten, sodass ich so viel Geld wie möglich zurücklegen kann“, erklärt sie ihren Lebensentwurf. Den des Jahres nimmt sie sich frei für Abenteuer und Entdeckungen. „Viele Menschen fragen mich, wie ich mir die ganzen Reisen leisten kann. Die Antwort ist einfach: Ich zahle keine Miete! Das bedeutet nicht nur, dass ich eine Menge Geld in kurzer Zeit sparen kann, sondern auch, dass mir dieser Lebensstil große Freiheit unterwegs beschert.“

Der Widerstand in der Gesellschaft

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Der umgebaute Pick-up, in dem Indigo aktuell lebt

Bevor Indigo sich für diesen Lebensstil entschied, war sie extrem unglücklich. Aber sie traute sich nicht, ihrem Herzen und ihren Wünschen zu folgen, weil sie spürte, dass das in der Gesellschaft auf Widerstand und Unverständnis stoßen würde. „Ich habe unermüdlich versucht, den Beispielen meiner Freunde zu folgen: Tolle, neue Autos zu kaufen, Häuser mit hübschen, weißen Gartenzäunen. Aber je stärker ich versuchte, diese Ziele zu erreichen, desto erschöpfter fühlte ich mich.“

 

Indigo arbeitete mit einigen Freunden zusammen in der Nachtschicht für eine Fabrik in South Carolina. „Nur sehr wenige Leute haben meine Träume überhaupt verstanden oder ernstgenommen. Ich habe so unendlich lange versucht, dem nachzulaufen, was andere „Glück“ nannten, dass ich darüber vergessen habe, was mich wirklich glücklich macht.“ Kurz darauf kam der Moment, in dem sich ihr Leben total veränderte.

 

„Eines Tages nach der Arbeit setzte ich mich in mein Auto und fing an, zu weinen. Ich wusste nicht einmal genau, warum ich weinen musste, aber meine Tränen liefen und hörten einfach nicht mehr auf.“ Sie machte sich auf den Weg nach Hause. Doch zwei Stunden später saß sie auf einmal auf einer Bank in einer Kapelle an einem Berghang in North Carolina. „Ich habe dort für Stunden gesessen, geweint und gebetet. Doch am Ende fand ich offenbar die Antworten, die ich suchte, denn am nächsten Tag habe ich den Süden verlassen.“


Besitz, Minimalismus

Der Brginn des Vanlife in Montana

Anstatt zurück zu dem bestbezahltesten Job zu gehen, den sie je hatte, packte Indigo ihr Auto mit allem voll, was sie besaß. Sie fuhr Richtung Westen, ohne irgendein bestimmtes Ziel zu haben.

 

„Schließlich stolperte ich über eine Stadt in Montana und verliebte mich sofort. Ich habe noch nie vorher so ein Gefühl für einen Ort verspürt und mich noch nie so sehr akzeptiert und willkommen gefühlt.“ Sie fand ihr Zuhause. Niemals zuvor empfand sie so eine Zufriedenheit und so ein Glück. „Ein Jahr später habe ich mir meinen ersten Van gekauft und ihn „Vanna White“ genannt. Auf diese Weise begann meine Reise zu einem erfüllten Leben.“

Umgebauter Pick-up zum Camperm Vanlife
So sieht Indigos Pick-up von innen aus

Als „Vanna“ und Indigo das erste Mal unterwegs waren, war der Van nicht viel mehr als eine leere Hülle. „Ich wusste überhaupt nichts über das Tischlern, aber ich gab mein Bestes und lernte eine Menge, indem ich es einfach ausprobierte“, erinnert sich die lebenslustige und fröhliche Frau. Nach einigen Monaten, Fehlern und Versuchen hatte sie ein Bettgestell und eine kleine Küche mit etwas Platz zum Kochen gebaut. „Mein Van wurde ziemlich schnell zu meinem Heim. Je länger ich unterwegs war, umso besser fühlte ich mich. Es war nicht einfach nur Fröhlichkeit, es war Euphorie!“

Unterwegs: Gemeinschaft statt Gefahr

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Indigo glücklich in ihrem mobilen Zuhause

Dauernd bekam sie – vor allem von anderen Frauen – zu hören, dass es gefährlich sei, als Frau alleine zu reisen. Sie würde überfallen und ausgeraubt werden. Am Ende würde sie sich geschlagen geben müssen und wieder nach Hause kommen. „Aber das Lustige ist, dass genau das Gegenteil passiert ist.“ Indigo grinst. „Als alleinreisende Frau habe ich einzig und allein diese Dinge erfahren: Wunderbare Gesellschaft, Herzlichkeit und unendlich viele Gründe, um nie wieder zurück nach Hause zu gehen. Meiner Meinung nach ist es viel gefährlicher ein sicheres Leben zu leben, dass dich für immer unzufrieden sein lässt.“

 

Vanlife bedeutete für Indigo nicht, dass sie sich erst groß daran gewöhnen musste – der neue Lebensstil erschien ihr beinahe natürlich. „Das ist das Leben, das ich schon immer hätte leben sollen“, ist etwas, das sie denkt. Es gab keine einzige Sache, die sie aus ihrem vorherigen Leben des Stillstands vermisste. „Das Leben, das ich jetzt habe, ist das einzige, in dem ich mich voll entfalten kann, in dem ich frei atmen kann.“ Ein Gefühl, mit dem sie wohl weniger allein ist, als es in der Gesellschaft oft den Anschein hat. Ich liebe es, die Chance zu haben, jeden Tag unter einem anderen Himmel aufzuwachen. Ich liebe es, kein fließendes Wasser oder Elektrizität in meinem Haus zu haben, denn es sorgt dafür, dass ich jeden Tag von Neuem dankbar bin für alles.“ Am meisten liebt Indigo es, nach ihren eigenen Regeln zu leben. „William Ernest Henley hat es perfekt getroffen, als er sagte: Ich bin der Meister meines Schicksals. Ich bin der Kapitän meiner Seele.“

 

Indigos Abenteuer und ihr Leben "on the road" könnt ihr auf Instagram auf ihrem Account hippiegirlgoingtoplaces verfolgen.

Alle Bildrechte liegen bei © Indigo/hippiegirlgoingtoplaces

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Kommentare: 2
  • #1

    Tamara (Freitag, 01 Juni 2018 17:26)

    Extrem spannende Story! Es ist so inspirierend solche Lebensgeschichten zu lesen. Da sieht man wieder, mit wie wenig man auskommt. LG Tamara

  • #2

    lonelyroadlover (Samstag, 02 Juni 2018 09:45)

    Vielen Dank, liebe Tamara!
    Deshalb erzähle ich so etwas gern. Vielleicht öffnet es den Blick auf andere Lebensweisen und Möglichkeiten, glücklich zu sein.
    LG
    Sarah

Ehrliche Reise- und Lebensgeschichten mit einem scharfen Schuss Humor. Ein Blog, der dir in den Hintern tritt, damit du rausgehst und lebst. ♥


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