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Neuste Verrücktheiten

„Holy Shit Moly!“, rufe ich galant und in diskreter Megaphonlautstärke quer über die Hügel. Überall dampft und faucht es. Ich bin mitten im Upper Geyser Basin im Yellowstone National Park.

Zwischen den Bergen der Rocky Mountains befindet sich die größte Konzentration von Geysiren auf der Welt. Allein die schiere Regenbogenpracht ihrer Existenz lässt meine Kameralinse springen und gibt mir das Gefühl, einen LSD-Trip auf dem Mars zu haben.

„Du hast Dreck im Gesicht“, ruft mein Freund von oben, während ein paar rostrote Steinchen geräuschvoll zehn Meter in die Tiefe knallen. Ich könnte jetzt auch im Warmen sitzen und eine Serie schauen, in der jemand mit Blut in der Fresse durch einen Wald rennt. Mein Problem war schon immer, dass ich selbst dieser jemand sein wollte.

Es gibt nichts, was ehrlicher und absoluter ist, als mit dem Herzen voran in die Natur zu springen. Um das Kind in uns zu finden. Und vielleicht sogar unsere wahre Bestimmung.

Mit brennenden Augen stolpere ich die grauen Treppenstufen am Flughafen in Billings, Montana, hinunter. 29 Stunden im Transit liegen hinter mir.
Dann sehe ich jemanden mit einem Schild. Auf dem steht „Smokin’ hot German woman“. Ich bin sofort wieder hellwach. So einen Blödsinn kann nur einer schreiben. Mein Freund.

Am nächsten Tag fahren wir los – 2.000 Kilometer Richtung New Mexico. Wo die Windspiele wie Sterne klingen, die Wüste blüht und der Himmel in Unendlichkeit versinkt.

Ein Krampf im Unterleib jagt den nächsten.

„Ich muss Sie jetzt ins Krankenhaus schicken", sagt die Ärztin voller Mitleid.

Es folgen drei Tage, in denen ich high von der Magenspiegelung und auf der Suche nach W-Lan das Krankenhaus aufmische.

Kurz darauf die Diagnose: Colitis Ulcerosa. Die kleine Schwester von Morbus Crohn. Lebenslange chronische Darmentzündung.

Heulen? Kann ich, wenn ich tot bin! Wie ich vom Fußboden aufgestanden bin und der Krankheit die Stirn biete.



Beliebteste Beiträge

Grand Prismatic Yellowstone

2017 habe ich mir meinen Lebenstraum erfüllt und bin vier Monate lang allein quer durch die USA gereist. Von New York bis Chicago, in den Westen über die gesamte Route 66, vorbei an etlichen Nationalparks. Los Angeles, San Francisco und schließlich quer durch den wilden Norden zurück zur Ostküste. Ich habe gelacht, getanzt, geweint und die verrücktesten und schönsten Dinge gesehen. Hier kommt mein kleines Tagebuch.

Indigo und ihr Hund Zelda leben Vollzeit in einem zum Camper umgebauten Pick-up. „Wir wohnen jetzt schon seit einigen Jahren auf diese Weise – und ich kann aus vollster Überzeugung heraus sagen, dass es die beste Entscheidung war, die ich je getroffen habe.“

Ich gehe in die Eisen. Hinter mir ein Lastwagen. Der offenbar nicht in die Eisen geht. Ich denke nur noch: Bitte lass es nicht vorbei sein!

Als ich zu Hause bin, denke ich nach. Darüber, warum ich so viel Angst hatte. Vor dem Ende. Schließlich kriegt es uns alle mal. Aber nicht jetzt. Nicht jetzt.

Zwei Jahre später, schließe ich meine Augen über dem Abgrund des Canyons. Was wäre wenn. Ich lächele. Nicht jetzt? Nicht mehr. Wie ich die Angst vor dem Tod verloren habe.

1. Januar 2018: Ich habe keinen Job mehr, nichts klappt und alles ist scheiße.
31. Dezember 2018: Ich besitze eine eigene Firma, bin 11 Wochen lang gereist, habe meine langjährige Beziehung beendet, bin umgezogen, habe meinen Seelenverwandten gefunden und mir ganz kurz vor knapp noch ein Tiny Home gekauft, in das ich Anfang 2019 einziehen werde. Mein Euphorie-Level liegt kurz vor LSD. Eine Chronologie des Wahnsinns.




 

Ehrliche Reise- und Lebensgeschichten mit einem scharfen Schuss Humor. Ein Blog, der dir in den Hintern tritt, damit du rausgehst und lebst. ♥

Honest life and travel stories flavored with hot spices of black humor. A blog that kicks your ass so you go out and live your damn life. ♥


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